Hunter Bidens „Laptop aus der Hölle“ Wer ist der „Big Guy“?

  • ORIGINAL VERÖFFENTLICHT AM 02. Mai 2022 bei reitschuster.de
  • Von Gregor Amelung

Einen ersten Bericht über den Inhalt des Laptops hatte die New York Post, die konservative Schwester der links-liberalen New York Times, bereits am 14. Oktober 2020 veröffentlicht, also nur wenige Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl. Twitter und Facebook blockierten die Berichterstattung der Post, indem sie sich unter anderem darauf beriefen, dass das Material gehakt sei.

Zweifel an der allgemein postulierten Unechtheit des Materials hätten eigentlich spätesten am 27. Oktober 2020 aufkommen müssen, als Fox News ein Interview mit dem Geschäftsmann Tony Bobulinski sendete. Darin sprach Bobulinski ausführlich über seine geschäftlichen Kontakte zu Hunter Biden, Joe Bidens Bruder Jim Biden und dem damals ehemaligen US-Vize-Präsidenten Joe Biden:

„Ich hatte nicht um ein Treffen mit Joe [Biden] gebeten. Sie baten mich, ihn zu treffen. Sie setzten ihre gesamte Familie ein [und] sie wussten genau, was sie taten.“ – Bobulinskis Aussage war deshalb so brisant, weil sie den Artikel der New York Post indirekt stützte und weil der ehemalige Vizepräsident 2019 gegenüber Reportern erklärt hatte: „Ich habe nie mit meinem Sohn oder meinem Bruder oder sonst jemandem über etwas gesprochen, das mit ihren Geschäften zu tun hat. Punkt.“

Ähnlich eindeutig hatte sich Biden auch als Präsidentschaftskandidat gegen Korruptionsvorwürfe von Donald Trump in einer der Präsidentschaftsdebatten gewehrt:

„Es gibt 50 ehemalige Mitarbeiter unserer Nachrichtendienste, die erklärt haben, dass das, was er [Trump] mir hier vorwirft, ein Werk der Russen ist […] Fünf ehemalige CIA-Chefs aus beiden Parteien sagen […] es sei nur ein Haufen Müll.“

Wer ist der Kelte?

Mit anderen Worten: Aus Sicht eines jeden, der eine zweite Amtszeit von Donald Trump fürchtete und deshalb verhindern wollte, waren die Laptop-Daten Fake und Tony Bobulinski ein Lügner. Und nun – 17 Monate später ist der „Müll“ offenbar doch echt.

Der Sinneswandel der großen US-Medien in der Sache war vermutlich auch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Hunters Heimatstaat Delaware geschuldet. Dort hatte man den Präsidentensohn unter anderem wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung ins Visier genommen und bereitet eine Anklage vor, die wiederum höchstwahrscheinlich auch Daten aus dem zuvor als unecht deklarierten Laptop verwertet. Also räumten die New York Times und die Washington Post die Echtheit ein, bevor sie von den Ereignissen in Delaware möglicherweise überholt werden würden.

Sprachliche Firewall

Nachdem dieser Teil der Katze aus dem Sack war, zogen die großen US-Medien in ihrer weiteren Berichterstattung eine sprachliche Firewall zwischen den Laptop des Präsidentensohns und seinen Vater. Ohne diese Wall gäbe es längst eine öffentliche Debatte über die mögliche Käuflichkeit des Vize-Präsidenten unter Barack Obama (2009-2017) und die offene Frage, wer der „Big Guy / große Typ“ bzw. „the Celtic / der Kelte“ in Hunter Bidens Geschäftskorrespondenz ist?

Sind Sie gemeint, Herr President?

Eine Fragerunde hierzu können die Demokraten vor den wichtigen Midterm-Wahlen im November allerdings kaum brauchen. Ihre Umfragewerte sind jetzt schon miserabel (reitschuster.de berichtete darüber hier). Und eine erwiesene Käuflichkeit Joe Bidens als Vizepräsident? – Sie würde ihn mit einiger Sicherheit die Präsidentschaft kosten.

‘Steckt in Trumps Hetze doch ein Funken Wahrheit?’

Dementsprechend differenzieren auch viele deutsche Medien, wenn es um den Laptop geht. So stellte etwa das Magazin Focus in seiner Headline am 5. April 2022 eher auf Hunters Seelenleben als auf seine Geschäfte ab und titelte: »Die dunkle Seite des Hunter Biden: Steckt in Trumps Hetze doch ein Funken Wahrheit?« Am selben Tag lautete die Überschrift beim Nachrichtensender NTV »Hunter Bidens ›Laptop from Hell‹ ist wieder da«, so als ginge es um die nächste Staffel einer unnötigen Seifenoper.

Zusätzlich war die NTV-Schlagzeile mit einem Hinweis auf Donald Trump und einem düsteren Portrait des ungeliebten Wüterichs versehen, womit man die Beweiskraft und Brisanz der Laptop-Daten indirekt zu Wahlkampf-Gebrüll herabgestuft hatte. Küchenpsychologisch ging es weiter. Es sei eine »Suche nach Schmutz“, so NTV. Donald Trump wolle „den Bidens […] irgendwie schaden“ und so vermutlich „die Kränkung über seine Wahlniederlage“ lindern.

Überprüfung durch Cyber-Experten

Dabei hatte die britische Tageszeitung Daily Mail die Laptop-Daten bereits Anfang April 2021 nach einer externen Überprüfung durch anerkannte Cyber-Forensik-Experten der Firma Maryman & Associates als „authentisch“ eingestuft. Wörtlich schrieb das Blatt: „Unter Benutzung derselben forensischen Methoden, die auch Strafverfolgungsbehörden […] einsetzen, fanden sie [Maryman & Associates] insgesamt 103.000 Textnachrichten, 154.000 E-Mails und mehr als 2.000 Fotos. […] Abschließend heißt es in ihrem Bericht: ‚Die Zeitstempel des Betriebssystems scheinen authentisch zu sein, und es wurden keine Hinweise darauf gefunden, dass die Zeitstempel oder die Daten verändert oder [künstlich] hergestellt worden sind.’“

Erhalten hatte die britische Zeitung die Laptop-Kopie von Jack Maxey. Maxey, der äußerlich auch als Bruder von Robert Redford durchgehen könnte, ist eine schillernde Persönlichkeit. Navy-Veteran, Co-Moderator von Steve Bannons Podcast und rechts-konservativer Polit-Aktivist. Nun ist er in die Schweiz „geflüchtet“. „Aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen des Weißen Hauses“, so die Daily Mail am 7. April 2022. Darüber hinaus adelte die Zeitung den durchaus umstrittenen Maxey zum „Whistleblower“. Nach eigener Aussage habe er gemeinsam mit Kollegen inzwischen „450 Gigabyte gelöschtes Material“ von der Laptop-Festplatte wiederherstellen können, darunter 80.000 Bilder und Videos und mehr als 120.000 E-Mails.

Die Geheimdienste lesen mit…

Maxey, so die Daily Mail weiter, glaube, die US-Regierung habe online gesicherte Dateien des Laptops in der Vergangenheit gesucht und anschließend den Unternehmen gemeldet. „Es gab fünf Dropboxen: zwei in den USA, eine in Neuseeland, zwei in Großbritannien. Dropboxen, auf denen angeblich sogar „Kinderpornografie“ geteilt werden könne, weil die Behörden sie nicht ausspähen könnten. Und „alle Boxen waren in ‚Five-Eyes-Ländern’, die über ein Geheimdienstabkommen miteinander kooperieren, und alle wurden beseitigt“, so Maxey.

„Das heißt, dass unsere Geheimdienste, die bisher nicht mal eingeräumt haben, dass sie im Besitz von Hunter Bidens Laptop[daten] sind, offensichtlich fleißig Cache-Suchen im Internet durchgeführt haben um herauszufinden, ob irgendetwas von dem Zeug veröffentlicht wurde“, so Jack Maxey. Deshalb sei er nun auch in die Schweiz gegangen, denn die einzige Plattform, die die Laptop-Daten nicht beseitigt habe, sei Swiss Transfer gewesen.

Schweizer Weltwoche

Inzwischen verfügt auch die Schweizer Weltwoche über eine Kopie der Daten. Ebenfalls von Maxey. Es sind „217 Gigabyte an Firmendokumenten, E-Mails und privaten Foto- und Filmaufnahmen, viele davon pornografischen Inhalts“, so die Weltwoche am 26. April 2022. „Sie dokumentieren einen schwer drogenabhängigen Sohn des damaligen Vizepräsidenten, der auch dank der Macht und dem Einfluss seines Vaters millionenschwere Deals abschloss.“ Zu dem Laptop-Material führte das Magazin auch ein ausführliches Interview mit Jack Maxey.

Das Gespräch ist verstörend und detailreich. Teils tanzt es auf dem schmalen Grad zwischen unglaublich und unglaubwürdig. Dann etwa, wenn Maxey erklärt: „Im vergangenen Februar sagten mir Kollegen innerhalb der US-amerikanischen Geheimdienste […] man würde mich umbringen.“ – Insofern liebe Leser, bilden Sie sich am besten selbst Ihre Meinung. Das komplette Interview gibt es sowohl als Video als auch als Transkript auf Deutsch auf der Seite der Weltwoche.


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