„So viel kann die Sonne gar nicht scheinen“: Heizungstechniker zeichnet düsteres Bild

Erstellt: 30.08.2022, 14:35 Uhr, Quelle: Merkur.de

Die Lüftungsanlage einer Wärmepumpe: Die Nachfrage nach den Geräten ist immens – aber die Lieferzeiten sind es auch.
Die Lüftungsanlage einer Wärmepumpe: Die Nachfrage nach den Geräten ist immens – aber die Lieferzeiten sind es auch. © Silas Stein/dpa

Bestellt, geliefert, eingebaut: Von diesem Szenario ist die Heizungsbranche weit entfernt. Fachleute berichten von ihrem veränderten Arbeitsalltag und zeichnen ein düsteres Zukunftsszenario.

Landkreis – Die Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage nach Wärmepumpen immens, aber die Lieferzeiten sind es auch, sagt Bernd Krüger, Chef des größten Heizungs- und Sanitärbetriebes im Landkreis Starnberg mit etwa 50 Mitarbeitern. Der Absatz sei um 200 Prozent gestiegen.

In Heizungs-und Sanitärbetrieb: Absatz um 200 Prozent gestiegen – Großes Problem bei Stromversorgung

Bei aller Euphorie überschattet ein Problem alles andere: die Stromversorgung. Wärmepumpen benötigen Strom, gleichzeitig gehen immer mehr E-Autos ans Netz. „Im Herbst wird uns allen das Licht ausgehen“, sagt Krüger. Und doch könnten die ärgerlich langen Lieferzeiten einen Blackout möglicherweise auch ausbremsen. Darauf hofft zumindest Achim Richter vom gleichnamigen Sanitär- und Heizungsbetrieb in Herrsching.

Nachdem die Preise für Öl und Gas enorm gestiegen sind, suchen die Verbraucher nach Alternativen. Wer es sich leisten könne, rüste um. Wer nicht, renne in die Baumärkte und besorge sich elektrische Heizungen, sagt Krüger. „Wir rennen alle gerade wie fremdgesteuert durch die Gegend.“ Und alles zusammen brauche Strom, aber das Netz sei dafür nicht ausgelegt. „Das schaffen wir nicht. Das Stromnetz wird zusammenbrechen. Der Blackout wird sicher kommen.“

Blackout-Video

Es ist ein düsteres Bild, das der Geschäftsführer des Starnberger Unternehmens beschreibt. Er fühlt sich von der Politik falsch informiert: „Seit 30 Jahren versuchen wir, Kabel für ein vernünftiges Internet in den Boden zu graben. Plötzlich soll bis zum Herbst die Energiewende vollzogen werden. Das geht doch gar nicht.“ In Gauting gebe es eine Straße, in der gerade drei Wallboxen für E-Autos eingebaut wurden, erzählt der 56-jährige Firmenchef. „Für eine Wärmepumpe reicht das Netz dort schon jetzt nicht aus. Die könnte gar nicht betrieben werden.“

Auch die Anzahl der Wärmepumpen am Markt ist begrenzt. Die Lieferzeit, so Krüger, betrage aktuell 44 Wochen – unverbindlich. Ebenso verhalte es sich mit dem Endpreis – „den können wir nicht nennen“. Er führe seinen Kunden ganz offen die Fakten vor Augen, „jeder muss dann selbst entscheiden“. Privat setzt Krüger auf Solarthermie. Aber auch die funktioniere nicht, wenn das Stromnetz zusammenbreche. „So viel kann die Sonne gar nicht scheinen.“

Nicht alle Verbraucher lassen sich von Preisen für Gas und Öl abschrecken

Der Herrschinger Heizungstechniker Achim Richter sagt: „Für fünf bis sechs Anlagen warten wir noch auf Teile, dann war’s das so ziemlich für heuer mit regenerativen Anlagen.“ Früher wurde bestellt, geliefert, eingebaut. Davon sei die Branche heute weit entfernt. Er habe bereits nachbestellt und setze für die Kunden seines kleinen Betriebs mit sieben Mitarbeitern auf die Kombination mit Sonnenenergie, habe deshalb gerade erst einen Elektromeister zu sich ins Team geholt, damit alles aus einer Hand funktioniert. Die Installation einer Fotovoltaikanlage allein reicht seiner Meinung nach nicht aus, der Batteriesektor müsse dringend weiterentwickelt werden.

Bei weitem nicht alle Verbraucher lassen sich von den Preisen für Gas und Öl abschrecken. „Wir bauen auch nächste Woche wieder einen Ölkessel bei einer alten Dame ein“, sagt Richter. Vor allem ältere Menschen, aber nicht nur, setzten weiter auf Öl. Auch der Herrschinger hadert mit der Politik: „Pellets sind mit der Förderung ins Abseits geraten. Und der Strom wird massiv teuer. Ich bin kein Pessimist, aber auch ich sehe uns vor einem massiven Problem stehen.“

Auch die Wärmepumpe sei nicht für jedes Haus geeignet. Es sei ein sensibles Heizsystem, das eine gute Vorbereitung brauche. „Es ist keine einfache Zeit“, sagt Achim Richter. Und Bernd Krüger? Der wünscht sich, Nord Stream 2 ginge doch noch in Betrieb, „das würde uns und der nachfolgenden Generation vieles erleichtern“.

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