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Auf dem richtigen Weg
Zu Ostern hat Robert Cibis Publizisten, Theologen und Psychoanalytiker Eugen Drewermann zum zweiten Mal vor die Kamera geholt – fünf Jahre nach ihrem ersten Gespräch in der Sendereihe “Narrative” am Gründonnerstag 2021. Was seitdem passiert ist, macht dieses Treffen umso dringlicher: ein eskalierender Krieg in Europa, eine Gesellschaft im psychischen Ausnahmezustand, ein politisches Establishment, das munter aufrüstet.
Drewermann, einst gefeierter Theologe und von der katholischen Kirche mit einem Lehrverbot belegt, zieht in diesem Gespräch eine Linie, die er seit Jahrzehnten zieht – nur dass sie heute brisanter wirkt denn je: Was wir gerade erleben, ist das logische Ergebnis einer Politik, die seit Adenauer im Dienst amerikanischer Interessen steht. Die Bundesrepublik, so Drewermann, wurde nicht als freier Staat geboren, sondern als westlicher Vorposten im Kalten Krieg. Und dieser Krieg habe nie wirklich geendet.
Der Theologe beurteilt Kapitalismus als strukturellen Wahnsinn, der Geld nicht als Tauschmittel, sondern als Waffe benutzt. Traumatisierte Persönlichkeiten in Machtpositionen, die ihre eigene Kindheit an anderen wiederholen. Der Nahostkonflikt als Projekt der Vertreibung. Und immer wieder: die Angst als politisches Werkzeug – verbreitet durch Medien, Regierungen und ein System, das Kontrolle braucht, um zu überleben.
Was Drewermann von vielen anderen unterscheidet, ist seine Weitsicht. Er verbindet Politikgeschichte mit Psychoanalyse, Theologie mit Kapitalismuskritik, Bibelexegese mit Geopolitik – und das mit einer Energie, die sich über 85 Jahre gesteigert hat.
Auf die letzte Frage – was uns heute Kraft geben kann – antwortet er mit der Bergpredigt – als psychologisches Therapeutikum gegen die Paranoia der Geschichte. Wer als Putinversteher, Querdenker oder Weichei beschimpft wird, sagt er, dem sagen die Propheten: Herzlichen Glückwunsch. Ihr seid auf dem richtigen Weg.






Danke für das Gespräch. Es war wieder sehr anregend.
Ich hätte mir dazu gewünscht, dass Herr Drewermann Einiges als Christ hätte klarer formuliert.
So geht es für mich bei den Beispielen der Bergbauarbeiter in Not nicht darum, dass Kumpels Kumpels helfen, das ist ja rational zu begreifen, weil die sich eben dort, wo die Not ist, auskennen. Aus der christlichen Perspektive ist die Aussage aber zumindest missverständlich, denn da geht es nicht um Funktionsträger hier Bergbauarbeiter, die als Funktionsträger zum Einsatz des Helfens kommen, sondern es geht um den Menschen, der dem anderen Menschen hilft, auch wenn er vielleicht keine Ahnung hat von dem was da von Nöten ist, hilft er. Der Mensch hilft dem Menschen, das ist unumstößlich auch wenn die Realität dagegen spricht. Die Kumpel – Kumpel –Geschichte, die Herr Drewermann vorbringt, ist Romantik (schon da stand es mit dem Christentum nicht gut) und zerteilt eher die Welt, als dass sie sie einigt.
Eine Nachfolge Christi ist in keiner Weise auf einer politischen Ebene zu sehen, wie die Ausführungen von Herrn Drewermann, den ich als Christ sehe, nahe legen könnten. Sie liegt weit davor. Es ist alles sehr plausibel, was Herr Drewermann über die Interessen der verschiedenen Staaten und Staatsmänner sagt. Aber das Johannesevangelien „geht“ anders. Als Nikodemus der jüdische Ratsherr zu Jesus kam, wehrt Jesus gerade dieses ab, über Politik und Macht zu sprechen, sondern er sagt, du musst erst einmal neu geboren werden Nikodemus, bevor wir hier überhaupt irgendwie weiter kommen. Es wird immer so gemacht, als sei die christliche Lehre ja nur von den Menschen anzunehmen, da sie ja da sei und verstanden sei. Sie ist in keinster Weise verstanden von den Meisten so glaube ich sagen zu können. Wer glaubt denn wieder neu geboren worden zu sein, oder wer glaubt, dass das der Weg ist, dass es notwendig ist? Und wenn er es glaubt, setzt er es um in der Realität, eine weitere Frage? Wenige oder Keiner? Wer lässt sich denn darauf ein, nicht zu wissen, wie es weiter geht. Neugeboren werden heißt doch im Grunde, mein Ich stirbt und ich werde neu, aber wie werde ich, das liegt nicht in meiner Hand. Ungeheuerlich an sich für jeden von uns.? Bei Herrn Drewermann steht das Machtpolitische häufig sogar im Zentrum seiner friedensbewegten Ausführungen. Ich meine, das sei nicht so gut.
Herr Drewermann macht den Eindruck, dass er sehr viel weiß. Das stimmt bestimmt. Dann sagte er aber auch im Gespräch, dass er nichts ändern könne. In der Bibel steht irgendwo, dass Glauben Berge versetzen kann. Darüber mehr zu hören von Herrn Drewermann, wie Solches zusammenhängt und wie Solches christlich gelöst ist, wäre schön und würde einem die christliche Lehre näher bringen.