NARRATIVE #40 by Robert Cibis | Eugen Drewermann


TRANSHUMANISMUS ALS NEUE RELIGION?

Wie das Silicon Valley Narrativ unsere Gesellschaft formt.

Immanuel Kant hat einmal auf die Frage, was ethisches Handeln sei, die simple Antwort gegeben: “Es bestehe darin, einen Menschen stets zu betrachten als Zweck an sich selber und nie als Mittel zum Zweck.” Was zu Lebzeiten Kants, dem Höhepunkt der Aufklärung, unanfechtbar schien, wird heute offen und zynisch in Frage gestellt. Es mehren sich die Trends und Entwicklungen, die die Würde des Menschen angreifen und bestrebt sind, ihn erneut zum Mittel fremder Zwecke zu machen. Das Wort “Transhumanismus”, geboren im Silicon Valley, wo ein Teil der Gegenkultur der 70er Jahre auf die Forschungen des amerikanischen Militärapparats stieß und sich mit ihm verband, entwickelte sich ein neues Menschenbild. Diesem zufolge ist der Mensch in erster Linie ein Mängelwesen, das durch technischen Fortschritt sukzessiv aufgelöst und überwunden werden muss. Damit steht die Würde des Menschen und das Versprechen der Aufklärung gut 200 Jahre nach Kant erneut zur Disposition.

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Eugen Drewermann – Kirchenkritiker, Autor, Friedensaktivist, Tierschützer u. a.

Transhumanismus als neue Religion?

In unseren schnelllebigen Zeiten tut es gut, auch mal innezuhalten und sich gänzlich auf die klugen Gedanken eines anderen einzulassen. Eugen Drewermann vereinnahmt ohne sich aufzudrängen, schon allein mit seiner Sprache, die so dicht und bildhaft ist wie Poesie und so präzise, einleuchtend und direkt zugleich. Ihm in dieser Folge von Narrative zuzuhören, ist beruhigend und aufwühlend. Derjenige, der wirklich intensiv den Ausführungen des Friedensaktivisten lauscht, dürfte um eine gewisse Selbsterkenntnis und einen kritischeren Blick auf den Zustand dieser Welt nicht herumkommen. Das erhellende Gefühl dazu hält dann vielleicht zunächst nur für ein paar Minuten oder Stunden an, doch der Samen für mehr ist sicher gesät.

Dass seine Zuhörer das, was sie von seinen Vorträgen aufnehmen, in ihren eigenen Erfahrungsraum integrieren, um näher zu sich selbst zu finden, sind bewusste Ziele des bekannten Theologen und Kirchenkritikers. Die Menschen sollen sie selbst werden, schon um den Einwirkungen von außen besser gewachsen zu sein. In zahlreichen Büchern, mit Interviews und Vorträgen möchte Eugen Drewermann die Menschen dazu bewegen, zu sich zu stehen, individuelle Wege zu gehen, einen eigenen Standpunkt zu bilden und sich abzuheben von der grauen, gehorsamen Masse. Es braucht Einzelne, die sich etwas trauen, sagt er. Schon früh werden wir auf Wirtschaftlichkeit, Konkurrenzdenken und Angepasstheit in Gruppensituationen trainiert. Das hat mit dem Leben als solchem aber nichts zu tun. Es macht Menschen, Gefühl und Menschlichkeit lediglich kaputt. Besonders deutlich zeigen sich die Auswüchse dieser gesellschaftlichen Programmierungen derzeit in der Coronakrise. Und das ist erst der sichtbare Anfang von dem, was im Sinne des Transhumanismus noch zu befürchten ist.

Eugen Drewermann hofft, dass es zu den dystopischen Fantasien machtgieriger psychopathischer Eliten nicht kommen wird. Doch auch hier ist jeder selbst gefragt, sich nicht an das Diktat von oben zu halten, sondern seinem eigenen Herzen und Verstand auch mal wieder eine Chance zu geben. Dieses Narrative-Gespräch entwickelt sich zu einem dichten Fluss an in sich verwobenen Themen und Erkenntnissen. Eugen Drewermann spricht zum Beispiel über die Ausbeutung der natürlichen Lebensräume, über Kriege, eisige Machtpolitik und künstlich konstruierte Feindbilder. Er redet darüber, wie die Bildung unser Bewusstsein prägt und der starre Blick auf die Naturwissenschaften Gefühl und Erkenntnis eliminiert. Es geht um Ethik und Wahrheit, um Evolution und um Natürlichkeit, die uns etwa die Tierwelt vorlebt. Tiere, denen Menschen in ihrem abgerichteten Verstandeswahn so oft die Würde nehmen, scheinen den Menschen in vielen Punkten alles andere als unterlegen zu sein. Die Menschen – sie existieren zu großen Teilen in einer Welt der totalisierten Angst. Diese Angst kann nur mit Vertrauen überwunden werden. Eine Welt mit Vertrauen, Frieden, Güte, Verständnis, Dialog und Gewaltverzicht wäre eine Welt, die sich den richtigen Werten zugewendet hat, sagt Eugen Drewermann.

6:40 Schafft Freiheit Verunsicherung
16:06 Wille vs. System
28:40 Können große Systeme ohne diese unmenschlichen Methoden funktionieren?
35:38 Widerspruch: persönliche Entfaltung oder Gruppenwesen?
40:50 Chancen und Gefahren der immer stärkeren Technologisierung der Welt
1:13:15 Wie führt die Angst zu Gefühllosigkeit?
1:24:38 Ist die Evolution in Richtung Transhumanismus vielleicht doch gut und richtig, wenn es mit der menschlichen Spezies so nicht mehr weitergehen kann?
1:48:15 Bezug starke Computerleistung und Coronakrise
2:01:30 Welche Art von Widerstand hält Herr Drewermann für die effektivste?
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