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Der Dokumentarfilm untersucht, wie im deutschen und französischen Gesundheitssystem jährlich über 300 Milliarden Euro fließen – und wer davon profitiert. Trotz der hohen Summen erleben Patienten lange Wartezeiten, gehetzte Ärzte und steigende Zuzahlungen. Der Film zeigt anhand mehrerer Fallbeispiele, wie wirtschaftliche Interessen die Patientenversorgung beeinflussen.
Pharmaindustrie: Der Fall Avastin vs. Lucentis Der US-Konzern Genentech entwickelte in den 1990ern einen Wirkstoff gegen überflüssige Blutgefäße und lizenzierte ihn an zwei Firmen: Roche verkauft ihn als Avastin (Krebsmedikament, ca. 1.500 € pro Flasche), Novartis als Lucentis (speziell für die Augenheilkunde zugelassen, 30-mal teurer pro Milliliter). Augenärzte entdeckten, dass das günstigere Avastin auch bei Makuladegeneration wirksam ist, und nutzten es weiter – zum Ärger von Novartis, das 300 Millionen Euro jährlich von deutschen Krankenkassen einfahren wollte. Nach verlorenen Gerichtsverfahren tauchte plötzlich eine unscheinbare Klausel im Arzneimittelrecht auf, die das Umfüllen von Avastin verbieten und Ärzte zum teureren Lucentis zwingen könnte. Pikant: Novartis besitzt 30 % von Roche.
Krankenhaus-Privatisierung
- Wegberg (Deutschland): Die Stadt verkaufte ihr Krankenhaus 2006 für 26.000 € an einen Einzelinvestor. Die Staatsanwaltschaft ermittelte später in 70 Fällen von Kunstfehlern, teils mit Todesfolge.
- Mansfeld-Südharz: Der Kreis verkaufte drei Krankenhäuser für 90 Millionen Euro an den Helios-Konzern, trotz massiver Bürgerproteste. Private Betreiber sparen vor allem durch niedrigere Löhne und Rabatte beim Materialeinkauf – eine anonyme Chirurgin berichtete, dass billigere OP-Fäden nach Operationen aufgegangen sind.
- Carhaix (Frankreich): Die geplante Schließung von Geburtsstation und Chirurgie führte zu monatelangen Protesten. Eine hochschwangere Frau musste 45 Minuten im Krankenwagen in die nächste Klinik gefahren werden.
Ärzte zwischen Honoraren und Patientenwohl Die Honorarreform 2009 führte zu Verteilungskämpfen: Ambulante Chirurgen in Bayern verloren fast ein Drittel ihres Honorars. Deutsche Ärzte haben europaweit die kürzeste Zeit pro Patient (8 Minuten gegenüber 16 in Frankreich). Standesvertreter Jörg-Dietrich Hoppe forderte eine „Priorisierung“ – was Kritiker als offizielle Zweiklassenmedizin sehen. Gleichzeitig verdrängen medizinische Versorgungszentren (MVZ) in Konzernbesitz zunehmend die klassische niedergelassene Praxis.
Die HPV-Impfung (Gardasil) Gardasil wurde innerhalb von 18 Monaten zum umsatzstärksten Arzneimittel Deutschlands. Die Ständige Impfkommission sprach die Empfehlung 2007 sehr schnell aus – pikant: Der damalige Vorsitzende Heinz-Josef Schmitt wechselte 6–8 Wochen später zu Novartis und hatte zuvor einen vom Impfstoffhersteller Sanofi Pasteur gestifteten Preis (10.000 €) angenommen. Die tatsächliche Wirksamkeit ist wissenschaftlich umstritten (Schutzwirkung zwischen 20 und 70 %). Sina Hofrath erkrankte nach der dritten Impfung am Guillain-Barré-Syndrom, inzwischen als Nebenwirkung anerkannt.
Der Film zeichnet das Bild eines Systems, in dem die Gesundheitsmilliarden zunehmend von Pharmakonzernen und privaten Klinikketten abgeschöpft werden, während Politik unter erheblichem Lobbydruck steht. Die deutschen und französischen Gesundheitssysteme gelten zwar als vorbildlich, stehen aber vor fundamentalen Herausforderungen – und die Patienten drohen dabei zum Spielball wirtschaftlicher Interessen zu werden.





