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Goldgeld
„Gold ist das Geld der Könige. Silber ist das Geld des Bürgertums. Der Tausch ist das Geld der Bauern und der Handwerker. Papier oder Schulden sind das Geld der Knechte.“
Mit diesem kraftvollen Zitat eröffnet Edelmetall-Experte und Verfechter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, Claudio Grass, ein tiefgreifendes Gespräch mit Robert Cibis. Was folgt, ist eine fundamentale Kritik am bestehenden Geldsystem, eine geopolitische Analyse der Machtverschiebungen und ein Plädoyer für individuelle Freiheit. Was muss man machen, um sich aus der Abhängigkeit von Banken zu befreien?
Die Wurzel allen Übels: Zentralbanken und das Schuldgeldsystem
Claudio Grass formuliert ohne Umschweife: Zentralbanken sind „die Wurzel allen Übels“. Zusammen mit Robert Cibis demontiert er den Mythos, dass diese Institutionen Stabilität garantieren. Stattdessen werden sie als Motoren einer gigantischen Vermögensumverteilung entlarvt – der größten, die Grass in seinem Leben beobachtet hat.
Das System basiert auf Kredit, nicht auf Eigentum. „Gold ist Geld, alles andere ist Kredit“, zitiert Grass J.P. Morgan. Die Diskussion beleuchtet, wie durch die Abschaffung der Goldbindung (in den USA 1971, in der Schweiz faktisch im Jahr 2000) Tür und Tor für eine hemmungslose Geldschöpfung geöffnet wurden. Die Folge: Eine Aufblähung der Bilanzen, künstlich niedrig gehaltene Zinsen und eine Enteignung der Sparer zugunsten der Schuldner.
Der geopolitische Kompass: Der Westen verkauft, der Osten kauft
Ein besonders spannender Aspekt des Gesprächs ist der Blick auf die globale Bühne. Während der Westen in den letzten Jahrzehnten sein Gold verkaufte oder dessen Bedeutung herunterspielte, decken sich die Zentralbanken im Osten – allen voran China und die BRICS-Staaten – massiv mit physischem Gold ein.
Grass erklärt diesen Trend als direkte Folge des Vertrauensverlusts in den US-Dollar. Die Sanktionen gegen Russland und das Einfrieren von Währungsreserven haben weltweit signalisiert: Wer Dollar hält, sei erpressbar. Wer Gold hält, besitzt souveränes Eigentum. Cibis und Grass diskutieren, ob dies der Anfang vom Ende der Dollar-Hegemonie ist und wie die USA, die angeblich noch über 8.000 Tonnen Gold verfügen (was niemand prüfen darf), darauf reagieren könnten.
Der Schweizer Sündenfall
Für Zuschauer aus dem deutschsprachigen Raum ist die Analyse der Schweizer Geldpolitik besonders aufschlussreich. Grass schildert, wie die Schweiz, einst das letzte Land mit einer Golddeckung in der Verfassung, diese im Jahr 2000 durch eine „Mogelpackung“ aufgab. Was als Modernisierung verkauft wurde, war laut Grass der Startschuss für eine aggressive Geldpolitik, die die Bilanzsumme der Schweizer Nationalbank explodieren ließ und das Land anfällig für globale Finanzkrisen machte.
Inflation, Deflation und der unausweichliche Crash
Wohin führt dieser Weg? Grass sieht uns am Ende eines langfristigen Schuldenzyklus. Die Diskussion umreißt zwei potentiell parallele Szenarien: Einen deflationären Kollaps, bei dem Vermögenswerte wie Aktien massiv an Wert verlieren, und/oder eine Hyperinflation, ausgelöst durch den totalen Vertrauensverlust in das Papiergeld.
Besonders interessant ist hierbei der Exkurs zur „Umlaufgeschwindigkeit des Geldes“. Cibis und Grass erörtern, dass Inflation nicht nur durch die Geldmenge, sondern auch durch die Psychologie der Menschen getrieben wird. Wenn das Vertrauen schwindet und jeder sein Geld so schnell wie möglich loswerden will, drohen Zustände wie in der Weimarer Republik.
Bitcoin vs. Gold: Digitales Nichts oder die Zukunft?
Natürlich darf in einer solchen Debatte das Thema Kryptowährungen nicht fehlen. Grass zeigt sich hier als Pragmatiker, aber auch als Skeptiker. Er erkennt Bitcoin als legitimen Versuch an, dem Zentralbanksystem zu entfliehen, und lobt die Möglichkeit von Peer-to-Peer-Transaktionen.
Doch am Ende bleibt für ihn Gold der ultimative Wertspeicher („Store of Value“). Während Bitcoin und Tech-Aktien als Spekulationsobjekte massiven Schwankungen unterliegen, hat Gold seine Kaufkraft über Jahrtausende erhalten. Grass bezeichnet Kryptowährungen provokant als „digitales Nichts“, während Gold physisch greifbar und limitiert bleibt.
Die Lösung: Werden Sie Ihre eigene Zentralbank
Robert Cibis und Claudio Grass entwickeln im Dialog konkrete Lösungsansätze für den Einzelnen. Der Rat ist klar: Raus aus dem Papiergeld, rein in Sachwerte. Grass empfiehlt, Ersparnisse, die man in den nächsten Jahren nicht benötigt, in physisches Gold und Silber umzuschichten – als Versicherung gegen den Systemcrash.
Cibis bringt die Idee ins Spiel, eine Parallelwirtschaft aufzubauen. Was wäre, wenn wir Dienstleistungen direkt in Silber bezahlen würden? Wenn der Handwerker oder der Webdesigner Rabatte gewährt, wenn er in echtem Geld statt in Euro bezahlt wird?
Dieses Gespräch ist eine Einladung, das Geld in der eigenen Tasche neu zu bewerten und Verantwortung für die eigene finanzielle Zukunft zu übernehmen. Es ist ein Dialog gegen die Angst und für die Handlungsfähigkeit.
Wie Claudio Grass zitiert: „Man kann ein paar Leute für eine gewisse Zeit verarschen… aber man kann sie nicht die ganze Zeit verarschen.“





