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Staatskläger
Kriegsreporter und politischer Gefangener in Syrien, Ägypten und Venezuela: Der Fall Billy Six wird viel Fragen auf… Filmemacher Robert Cibis führt ein tiefgehendes Gespräch mit dem Journalisten Billy Six. Six, der als Reporter oftmals als einziger Deutscher an den gefährlichsten Brennpunkten der Welt unterwegs ist, teilt seine weitreichenden Erfahrungen aus globalen Konfliktzonen, spricht über seine monatelange Inhaftierung in einem venezolanischen Geheimdienstgefängnis und berichtet von seinem historischen juristischen Sieg gegen die deutsche Bundesregierung. Das Interview entfaltet ein eindringliches Panorama über die Gefahren des unabhängigen Journalismus, das Versagen diplomatischer Institutionen und bietet eine harsche Kritik an den etablierten Medienlandschaften.
Bereits in jungen Jahren trieb Billy Six die unstillbare Neugier an die Krisenherde der Welt. Inspiriert von Filmen wie „Wag the Dog“, die mediale Inszenierungen von Kriegen thematisieren, wollte er die Realität geopolitischer Konflikte mit eigenen Augen prüfen. Diese Motivation führte ihn als Tramper von Berlin nach Südafrika und schließlich als Reporter in den “ägyptischen Frühling“, in den libyschen Krieg sowie wochenlang in den syrischen Bürgerkrieg. In Syrien war er illegal im Land unterwegs, tauchte in Rebellengruppen ein und wurde sogar von Assads Armee auf offenem Feld festgenommen. Six erkannte dort schnell, dass das westliche Schwarz-Weiß-Bild einer lupenreinen Demokratiebewegung gegen eine Diktatur der hochkomplexen, extrem brutalen Realität eines religiösen Bürgerkriegs nicht gerecht wurde.
Seine journalistische Reise nahm eine dramatische Wendung, als ihm 2017 die Einreise in die USA verweigert wurde und er nach einer Deportation nach Kanada spontan beschloss, in das krisengebeutelte Venezuela zu fliegen. Vor Ort profitierte er von der hyperinflationären Währungskrise, durch die er für wenige Dollar pro Nacht in guten Hotels leben konnte. Er nutzte diese Zeit, um intensiv über die marode venezolanische Ölindustrie, Schmuggelgeschäfte und die gewalttätigen Proteste der Opposition zu berichten.
Diese Recherchen wurden ihm jedoch zum Verhängnis. Nach der Kontrolle in einer abgelegenen Diskothek geriet Six ins Visier der Behörden. Wenig später stürmte ein Sondereinsatzkommando mit Maschinengewehren sein Hotelzimmer und verschleppte ihn. Man warf ihm Spionage, die Verletzung von Sicherheitszonen – da er Präsident Maduro mit einem Zoom-Objektiv fotografiert hatte – und Rebellion vor. Six landete im „El Helicoide“ in der Hauptstadt Caracas, einer zur Festung umgebauten Einrichtung des politischen Geheimdienstes, in der die gefährlichsten politischen Häftlinge des Landes saßen.
Während andere inhaftierte Journalisten aus Ländern wie Frankreich oder den USA durch massiven diplomatischen Druck ihrer Regierungen innerhalb von 48 Stunden freikamen, geschah im Fall von Billy Six monatelang nichts. Das Auswärtige Amt leistete laut Six keinerlei wirksame Hilfe und verzichtete auf öffentliche Proteste oder Forderungen nach seiner Freilassung. Die angebliche „Anwaltsvermittlung“ der Behörde bestand lediglich darin, dass seinen Eltern ein Blatt Papier mit zwanzig Telefonnummern übergeben wurde – völlig nutzlos für einen Gefangenen ohne Telefonzugang.Die Rettung kam schließlich von gänzlich unerwarteter Seite. Nach einer Kontaktaufnahme durch Politiker der AfD schaltete sich der russische Außenminister Sergej Lawrow ein. Lawrow nutzte ein Treffen in Wien, um auf diplomatischem Wege bei den Venezolanern auf eine Freilassung von Six hinzuwirken, woraufhin Venezuela dem umgehend Folge leistete. Besonders brisant: Im Nachhinein versuchte die deutsche Bundesregierung laut Six, die Freilassung als ihren eigenen diplomatischen Erfolg zu verkaufen, und behauptete sogar, keine Kenntnis von Lawrovs Intervention zu haben, obwohl es dazu offizielle Pressemitteilungen der russischen Agentur TASS gab.
Nach seiner Rückkehr zog Billy Six gegen das Auswärtige Amt vor Gericht – über weite Strecken sogar ohne anwaltlichen Beistand. Vor dem Verwaltungsgericht scheiterte er zunächst an einer geradezu kafkaesken Begründung: Die Richter urteilten, er hätte nicht jetzt klagen dürfen, sondern hätte bereits während seiner Haft aus der venezolanischen Gefängniszelle heraus das Auswärtige Amt verklagen müssen.
Das Bundesverfassungsgericht zerschmetterte dieses Urteil später mit einer vernichtenden Begründung. Das höchste deutsche Gericht gab Six recht und stellte fest, dass ihn das vorherige Urteil in seinem Grundrecht auf rechtliches Gehör und effektiven Rechtsschutz (Artikel 19) eklatant verletzte. Viel schwerer wog jedoch die tatsächliche Feststellung des Gerichts: Es wurde offiziell dokumentiert, dass sich die Bundesregierung keineswegs öffentlich für seine Freilassung eingesetzt oder gegen die Inhaftierung protestiert hatte. Ein Minister hatte somit den Bundestag und die Öffentlichkeit über die angeblichen Bemühungen nachweislich belogen. Six resümiert desillusioniert, dass es in Deutschland offensichtlich straffrei bleibe, wenn Regierungsmitglieder das Parlament belügen, um politisches Fehlverhalten zu vertuschen.
Neben seiner Inhaftierung ist die scharfe Kritik an der Berichterstattung der Leitmedien ein zentrales Thema des Gesprächs. Cibis und Six beschreiben die großen Verlage und öffentlich-rechtlichen Anstalten als eng miteinander verflochtene „Systemmedien“, die – teils über verdeckte Rechercheverbünde oder staatlich begünstigte Netzwerke – ein uniformes Narrativ stützen. Cibis zieht sogar historische Parallelen zur „Operation Mockingbird“ der CIA, durch welche einst amerikanische Journalisten von Geheimdiensten gesteuert wurden, und warnt davor, dass ähnliche Verstrickungen auch heute real sein könnten.
Ein Wendepunkt im Leben von Six markierte die Corona-Pandemie. Er filmte im März 2020 leere Flure der Berliner Charité, was in diametralem Gegensatz zu dem medialen Narrativ überfüllter Krankenhäuser stand. Das Video ging innerhalb von zwei bis drei Stunden viral und verzeichnete 50.000 Aufrufe, bevor es auf YouTube zensiert und rigoros gelöscht wurde. Infolgedessen verlor Six seinen Job bei der Wochenzeitung „Junge Freiheit“, da selbst alternative Redaktionen damals vor dem Druck zurückwichen.
Heute blickt Six in die Zukunft und plant bereits neue Recherchereisen, unter anderem nach Russland und Brasilien, wohin er eine Einladung des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro hat.
Abschließend richten Six und Cibis einen eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit, die Vorgänge rund um die Corona-Pandemie nicht auf sich beruhen zu lassen. Die Krise habe wie unter einem Brennglas offenbart, wie Regierung, Leitmedien, Wissenschaft und Konzerne zusammenarbeiten, um hybride Macht auszuüben. Eine lückenlose Aufarbeitung sei eine fundamentale gesellschaftliche Pflicht, andernfalls bestehe die Gefahr, dass die erzeugte „Angst-Psychose“ künftig erneut als politischer Hebel zur Durchsetzung globaler Agenden missbraucht werden könnte.





