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Kriegskratie
Warum finanzierten amerikanische Banken den amerikanischen Bürgerkrieg auf beiden Seiten? Weshalb hingen Bilder von Henry Ford in Adolf Hitlers Büro? Und warum blieben deutsche Rüstungsfabriken im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs oft unversehrt, während Innenstädte in Schutt und Asche gelegt wurden? In einem fesselnden Gespräch mit dem Filmemacher Robert Cibis öffnet der Publizist und politische Berater Werner Rügemer die Akten der Geschichte – und zieht beunruhigende Parallelen zur heutigen Zeit.
Es gibt viele Arten, die Welt zu betrachten: durch die politische Brille, die historische oder die militärische. Doch Robert Cibis und sein Gast Werner Rügemer wählen in diesem Interview einen anderen, oft unterbelichteten Ansatz: die Brille des Finanzsystems. Was passiert, wenn man die großen Kriege des 20. Jahrhunderts nicht als rein ideologische Kämpfe, sondern als knallharte Geschäftsmodelle analysiert? Die Antworten, die Rügemer liefert, rütteln an den Grundfesten unseres Geschichtsverständnisses.
Der lange Schatten der Wall Street
Wer glaubt, der Aufstieg der USA zur Weltmacht sei eine reine Heldengeschichte, wird hier eines Besseren belehrt. Rügemer zeichnet nach, wie sich das Verhältnis zwischen den USA und Europa durch den Ersten Weltkrieg radikal umkehrte: Während Europa sich verschuldete, stieg die US-Industrie zur dominanten Kraft auf. Doch die eigentliche Brisanz liegt in der Zeit danach.
Rügemer enthüllt Details, die in Schulbüchern oft fehlen: Schon 1922, lange vor der Machtergreifung, wurde Hitler von US-Größen wie Henry Ford unterstützt. US-Konzerne gründeten hunderte Filialen in Deutschland und dominierten über Kredite die deutsche Wirtschaft, teilweise unter direkter Kontrolle der Wall Street. Laut Rügemer sei das Ziel gewesen, den aufkeimenden Sozialismus und die Arbeiterbewegungen in Europa kleinzuhalten – mit der Unterstützung faschistischer Diktatoren wie Mussolini, Franco und eben Hitler.
Ein Krieg, zwei Profiteure
Einer der schockierendsten Momente des Gesprächs ist die Analyse der Kriegsfinanzierung. Während die US-Regierung offiziell Neutralität vorgab, rüsteten US-Konzerne munter beide Seiten aus. Rügemer beschreibt eine perverse Logik: Zuerst unterstützte man Stalin, weil er Modernisierung versprach, dann schwenkte man um auf Hitler, als der Bolschewismus zu mächtig erschien.
Das Herzstück dieser finanziellen Kriegsführung war eine Institution, die bis heute im Schweizer Basel residiert: die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS). Rügemer erklärt detailliert, wie über diese Bank – gegründet von der Wall Street – das von der Wehrmacht geraubte Gold aus den besetzten Ländern gewaschen wurde. Das Gold, oft geraubt aus europäischen Zentralbanken oder von jüdischen Bürgern, wurde in Devisen umgewandelt, mit denen Hitler-Deutschland wiederum kriegswichtige Rohstoffe oder Waffen auf dem Weltmarkt kaufen konnte. „Die Kapitalisten einigen sich untereinander und wickeln Geschäfte ab, während sich die Regierungen und die Militärs bekämpfen“, fasst Rügemer trocken zusammen.
Warum die Fabriken stehen blieben
Noch zynischer wird es, wenn Rügemer auf die Bombardierungsstrategie der Alliierten zu sprechen kommt. Entgegen der gängigen Annahme, Deutschland sei komplett zerstört worden, belegt Rügemer mit Verweis auf Berichte des Ökonomen John Kenneth Galbraith, dass die US-Luftwaffe gezielt Innenstädte bombardierte, aber Rüstungsfabriken – an denen oft US-Konzerne beteiligt waren – schonte. Das Kalkül: Man wollte die Wehrmacht im Kampf gegen die Sowjetunion möglichst lange leistungsfähig halten und die Industrie für die Zeit nach dem Krieg sichern.
Von 1945 bis heute: Wiederholt sich die Geschichte?
Doch das Gespräch verharrt nicht in der Vergangenheit. Cibis und Rügemer spannen den Bogen in die Gegenwart. Sie diskutieren die explodierende Verschuldung der NATO-Staaten und die Rhetorik der „Kriegstüchtigkeit“. Rügemer sieht in der aktuellen Aufrüstung auch den Versuch einer Reindustrialisierung auf Pump, nachdem die zivile Industrie über Jahre vernachlässigt wurde.
Besonders spannend ist Rügemers Analyse der aktuellen politischen Akteure, insbesondere Friedrich Merz. Ist er ein „neuer Hitler“? Rügemer verneint dies deutlich – die Methoden der Herrschaft haben sich geändert. Wir leben nicht im Faschismus der 1930er Jahre, sondern in einer Ära der „Soft Power“, in der NGOs und Finanzgiganten wie Blackrock den Ton angeben. Dennoch attestiert er Merz, basierend auf dessen Buch „Mehr Kapitalismus wagen“, eine Agenda, die Sozialsysteme privatisieren und Arbeitnehmerrechte schleifen will.
Ein Appell zur Wachsamkeit
Dieses Gespräch ist eine Tour de Force durch die Abgründe der Geopolitik, die aufzeigt, wie Kriege künstlich verlängert werden, um Profite zu maximieren. Doch Cibis und Rügemer entlassen den Zuschauer nicht hoffnungslos. Sie plädieren dafür, die Mechanismen zu durchschauen, Zusammenhänge zu erkennen und sich nicht von Feindbildern treiben zu lassen.
Wer verstehen will, warum die Welt heute so unter Spannung steht wie seit Jahrzehnten nicht mehr, und welche Rolle das globale Finanzsystem dabei spielt, kommt an diesem Video nicht vorbei.
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