WarWeekly #2
10. April 2026 – mit James Patrick und Robert Cibis
Naher Osten am Siedepunkt: Gescheiterte US-Operationen, israelische Militärprobleme und ein fragiles Verhandlungsangebot
In einer rund halbstündigen Analyse diskutieren die Gesprächspartner die eskalierende Lage im Nahen Osten – von einer rätselhaften US-Militäroperation im Iran über Israels wachsende militärische Überdehnung bis hin zu fragilen Diplomatieversuchen rund um die Straße von Hormus.
Eine US-Militäroperation in der Nähe von Isfahan wird von westlichen Medien als eine Art modernes „Saving Private Ryan” inszeniert. Mehrere Flugzeuge, darunter für Spezialeinsätze ausgelegte Hubschrauber, wurden zerstört oder selbst gesprengt, um eine Erbeutung durch den Iran zu verhindern. Die Nähe zum Standort – etwa 40 Kilometer von einer iranischen Urananreicherungsanlage entfernt – nährt Spekulationen, ob die eigentliche Mission dem Zugriff auf nukleares Material galt. Die Iraner behaupten, eine Falle gestellt zu haben.
Das Timing der Operation wird als auffällig bewertet: Kurz zuvor soll die Trump-Administration erwogen haben, iranische Atomanlagen anzugreifen. Am 3. April entließ Verteidigungsminister Pete Hegseth mehrere hochrangige Generäle, die solche Operationen kritisch bewertet hatten – ein Schritt, den Cibis als Symptom einer politisierten Militärführung wertet, die kritische Stimmen systematisch ausschaltet.
Ein zentrales Thema ist die strategische Kontrolle des Irans über die Straße von Hormus. Ein ehemaliger Berater des Weißen Hauses wird zitiert: Für eine anhaltende Schließung dieser Meerenge gebe es keine wirksamen politischen oder militärischen Gegenmittel. Trumps öffentliche Ultimaten, den Iran zur Öffnung der Straße zu zwingen, wird von Patrick als nicht umsetzbar und außenpolitisch beschämend eingestuft. Der Iran habe sogar damit gedroht, im Konfliktfall alle Kraftwerke der Golfregion zu beschädigen.
Ausführlich besprochen wird die militärische Lage Israels. Der israelische Generalstabschef Zamir hat intern eingeräumt, dass die Armee kurz vor dem Zusammenbruch stehe – zu viele Fronten, zu wenig einsatzbereites Personal. Im Südlibanon kämpft Israel zum dritten Mal gegen die Hisbollah, verlor dabei über 40 Panzer und leidet unter massiven Desertionen bei den einberufenen Reservisten. Israel hat Ausweisungsbefehle für den gesamten Süden des Libanon erlassen und beschießt täglich bis zu 100 Ziele im Land, was rund 1,2 Millionen Menschen zur Flucht zwang.
Die politische Führung des Libanon unter Premierminister Nawaf Salam – Harvard-ausgebildet, von westlichen Finanzkreisen geprägt – versuche, das Militär aus dem Konflikt herauszuhalten, stoße dabei aber auf internen Widerstand. Die gesellschaftliche Spaltung zwischen christlichen und muslimischen Gemeinschaften im Libanon erschwere eine einheitliche Reaktion auf die israelischen Angriffe.
Pakistan soll als Vermittler zwischen Washington und Teheran aufgetreten sein. Der Iran stimmte zu, sich am Freitag zu Verhandlungen zusammenzusetzen, stellte jedoch zehn Bedingungen: darunter die Anerkennung seines Rechts auf Urananreicherung, die Aufhebung aller Sanktionen, den Abzug aller US-Kampftruppen aus der Region sowie Schadenersatzzahlungen in Höhe von rund einer Billion Dollar. Die Gesprächspartner sind skeptisch, dass diese Verhandlungen zu einem Ergebnis führen – Israel bombt den Libanon trotz des angekündigten Waffenstillstands weiter.
Langfristig sehen die Diskutanten einen strukturellen Machtverlust der USA. China kauft bereits 80 Prozent des iranischen Öls, hat Bahnverbindungen und Pipelines aufgebaut und stellt dem Iran Satelliten- und Geheimdienstdaten zur Verfügung. Schon im Zuge der erneuten US-Sanktionen 2018 verschob sich der Erdgashandel des Irans vollständig nach China – heute wird nun auch der Ölhandel in chinesischen Yuan abgewickelt statt in US-Dollar. Diese Entwicklung, so das Fazit, untergrabe die globale Dominanz des Dollars schneller als jede andere geopolitische Maßnahme.





