Wie im Flug

22,00

Von  Ursula Stenzel

Wie im Flug (2021)

Ursula Schweiger-Stenzel stammt aus einer katholisch-jüdischen Familie. Ihr Urgroßvater mütterlicherseits war Kantor und Religionslehrer in Sechshaus (heute der 15. Wiener Gemeindebezirk), ihr Großvater wirkte bis zu seinem Lebensende im Jahr 1921 als Oberkantor im Leopoldstädter Tempel. Da der Vater Stenzels, Abkömmling einer noch tief in der Monarchie verwurzelten Beamtenfamilie bei der Nordbahn, bedingungslos zu seiner jüdischen Frau hielt, und dank etlicher Helfer konnte die Familie trotz widrigster Umstände in Wien überleben. Am 22. September 1945 wurde Stenzel dann als zweites Kind ihrer Eltern geboren. Bis zum Einstieg in den Beruf belegte sie Publizistik, Politik und Zeitgeschichte an der Universität Wien und verbrachte viel Zeit bei ihrer in der DDR verheirateten Schwester, deren Ehe aber katastrophal endete.
Hochdramatisch liest sich daher der erste Teil der nun von Ursula Stenzel vorgelegten, reich bebilderten Autobiografie, in der sie auch auf das Schicksal der Schwester ihres Vaters und deren jüdischen Mannes eingeht, die unter dramatischen Umständen in die USA emigrieren konnten – Sozialdemokraten der ersten Stunde und Zeitzeugen der ersten Republik.
Im zweiten Teil wendet sich Ursula Stenzel ihrer journalistischen Karriere im ORF zu, wo sie als Nachrichtensprecherin zu einem der bekanntesten Gesichter des Landes wurde. 1995 holte Wolfgang Schüssel sie in die Politik, bis 2005 war sie Abgeordnete zum Europäischen Parlament und Leiterin der ÖVP-Delegation in Brüssel. Ihre Erinnerungen an diese Zeit sind ebenso gespickt mit Hintergrundinformationen und Anekdoten wie jene an ihre Laufbahn im ORF. 2005 wurde sie Bezirksvorsteherin im 1. Wiener Gemeindebezirk, wechselte jedoch 2015 zur FPÖ, für die sie in den Wiener Landtag einzog. Wie sehr sie – vom Tiefgaragenprojekt am Neuen Markt bis zum Kampf gegen das Hochhausprojekt am Heumarkt – nach wie vor für stadtpolitische Belange brennt, merkt man ihrem Buch ebenso an wie die tiefe Verbundenheit mit dem kulturellen Leben der Stadt. Von 1983 an war Stenzel bis zu dessen Tod 2009 mit dem Burgschauspieler Heinrich Schweiger verheiratet, dem sie ein eigenes Kapitel widmet.
Erfrischend ist Stenzels freimütiges Bekenntnis zu verschiedenen „Hoppalas“ und auch Fehlern. Ihr ehrlich-ungeschminkter Bericht über die Zeit als Politikerin, über ihr Verhältnis zu ÖVP und FPÖ ist versehen mit internen Einblicken und unerwarteten Erkenntnissen. Mehr als ein halbes Jahrhundert österreichischer Geschichte wird in diesen Zeilen lebendig.

Ursula Stenzel wurde am 22. September 1945 in Wien geboren, wo sie auch aufwuchs und die Schulen besuchte. Nach der Matura 1962 an einer katholischen Privatschule begann sie ein Studium der Politikwissenschaften, Publizistik und Geschichte an der Universität Wien.

Bald begann sie in der Lokalredaktion für "Wien, Niederösterreich und das Burgenland" des ORF-Hörfunks zu arbeiten. Von 1972 bis 1975 war sie als Redakteurin im Aktuellen Dienst (Außenpolitik) des Hörfunks und von 1975 bis 1995 als außenpolitische Redakteurin im ORF (ZiB 1, ZiB 2) tätig.

Sie war die erste politische Moderatorin des ORF und nebenbei außenpolitische Kommentatorin und Korrespondentin. Von 1995 bis 1996 war sie "Journal"-Moderatorin im Österreichischen Hörfunk; Anfang der 1990er Jahre hatte sie auch einen Lehrauftrag an der Universität Graz.

1996 trat Ursula Stenzel als ÖVP-Spitzenkandidatin bei der EU-Wahl an und wurde Mitglied des Europäischen Parlaments (und der EVP-ED-Fraktion); sie beeinflusste als Leiterin der ÖVP-Delegation entscheidend die politische Schwerpunktsetzung. Nach zwei weiteren Kandidaturen 1999 und 2004 wechselte Ursula Stenzel in die Kommunalpolitik. Von 2006 bis 2015 war Ursula Stenzel Bezirksvorsteherin der ÖVP Wien/Innere Stadt. In dieser Funktion polarisierte Ursula Stenzel: so forderte sie etwa ein nächtliches Fahrverbot in der Inneren Stadt, ein Ästhetik-Manifest für die City, wollte Hausbesitzer bei Hitze zwingen, die Gehsteige besser zu reinigen, um Gestank zu vermeiden oder überlegte die Einführung der City-Maut. Im Herbst 2014 wurde Markus Figl als ihr Nachfolger zum Spitzenkandidaten für die Bezirksvertretungswahl 2015 ernannt und übernahm ihr Amt im Dezember 2015.

Die frühere ÖVP-Politikerin kandidierte als unabhängige Kandidatin auf der Liste der FPÖ für die Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien 2015 und zog für die FPÖ in den Gemeinderat ein. Im Mai 2016 wurde bekannt, dass Stenzel ab Juni 2016 nicht amtsführende Wiener Stadträtin - zuständig für die Themenbereiche Kultur, Altstadterhaltung, Internationales und Senioren - werden wird.

 

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Zusätzliche Information

Gewicht 0,57 kg
Größe 24,5 × 16,8 × 1,5 cm
Sprache

Deutsch

Ausgabe

Gebundene Ausgabe

Seitenanzahl

192