„Now more than ever“

“Jetzt erst recht”
Der Tagesspiegel zeigt Angst vor dem Urteilsvermögen seiner Leser

Lieber Kollege Leber,

in Ihrem Artikel vom 05.03.2021 bezeichnen Sie Aussagen der Gäste der Sendung Narrative als “wirre Thesen”. Es ist als Bürger dieses Landes selbstverständlich Ihr gutes Recht, dies so zu sehen. Wir – als Medienschaffende – sehen es allerdings als unsere Aufgabe an, den Menschen die Informationen und Perspektiven zu vermitteln, die ihnen helfen können, verschiedene Sichtweisen miteinander zu vergleichen. Uns irritiert deshalb, dass Sie, Herr Leber, uns genau dafür zu kritisieren scheinen. In Ihrem Artikel vertreten Sie die implizite Forderung, man solle als Medienmacher eine Vorauswahl an Perspektiven treffen, um diese dann den Zuschauern suggestiv vorselektiert zu präsentieren. Das wird oft verharmlosend als “einordnen” bezeichnet. Wir von OVALmedia glauben allerdings, dass unsere Zuschauer die Informationen durchaus selbst einordnen können, sofern ihnen genügend Perspektiven bekannt sind. Leider scheint es sich so zu verhalten, dass Sie, Herr Sebastian Leber, den Lesern des Tagesspiegels dies nicht zutrauen. Wir sehen dies wie gesagt anders.

Erlauben Sie mir Ihnen einen Überblick über unsere Tätigkeit zu vermitteln.Von den rund 40 Gästen, die in unserer Narrative-Sendung bislang aufgetreten sind, haben die meisten eine Professur inne und in vielen Fällen ein bis zwei Doktortitel. So führte ich Gespräche mit dem Gründer des World Health Summits, Prof. Dr. Detlev Ganten, mit dem Direktor des Instituts für Epidemiologie der Charité, Prof. Dr. Dr. Tobias Kurth, dem Leiter des Untersuchungsausschusses zur „Schweinegrippe-Pandemie“ am Europarat und ehemaligem Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestags Dr. Wolfgang Wodarg, mit Künstlern wie Andrej Hermlin, Wirtschaftswissenschaftlern wie Prof. Dr. Sylvia Kreiss und vielen, vielen anderen. Was, Herr Leber, spricht eigentlich dagegen, sich die Ansichten und das Erfahrungswissen dieser Experten anzuhören?

In unseren Sendungen kommen sowohl Corona-Maßnahmen-Befürworter, als auch ihre Kritiker zu Wort, wie z.B. in der zweieinhalbstündigen Debatte zwischen Prof. Kurth und Dr. Wodarg. Die Kritiker überwiegen allerdings in unseren Formaten, wofür es zwei gute Gründe gibt. Erstens nehmen diese öfter unsere Einladungen an, zweitens ist es uns ein Anliegen, Pluralismus zu fördern. Nun verhält es sich im Moment leider so, dass die meisten größeren Medien überwiegend die Regierungsnarrative vertreten, ohne diese angemessen kritisch zu hinterfragen. Um demokratische Debattenräume trotz alledem zu schützen, versuchen wir von OVALmedia deshalb vermehrt die bislang unterrepräsentierten Perspektiven sichtbar zu machen. Um es auf den Punkt zu bringen: Narrative ist eine Sendung, die es sich ausdrücklich zum Ziel gesetzt hat, die Erzählungen, auf denen unsere gesellschaftliche Wirklichkeit basiert, selbst zur Debatte zu stellen. Dabei interessieren uns viele verschiedene Deutungen der Wirklichkeit, so auch die Ihre Herr Leber. Deshalb laden wir Sie hiermit zum zweiten Mal als Gast in unsere Sendung Narrative ein. Es würde uns freuen, wenn Sie dieses Mal tatsächlich kämen. Unsere erste Einladung haben Sie ja leider abgelehnt.

Aufgrund unseres Interesses an einer ergebnisoffenen gesellschaftlichen Debatte sind wir auch als Dienstleister für den Corona-Ausschuss tätig. OVALmedia filmt die Sitzungen des Corona-ausschusses und ermöglicht so deren Veröffentlichung. Auch wenn wir für die Inhalte der Ausschusssitzungen keine Verantwortung tragen, sind wir doch der Meinung, dass der Ausschuss mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag zu einer demokratischen Debattenkultur leistet. Die Fakten, Perspektiven und daraus abgeleiteten Wertungen, die im Corona-Ausschuss zur Sprache kommen, müssen nicht immer jedem gefallen. Doch es ist Ausdruck demokratischer Kultur, Meinungen, die man nicht teilt, dennoch zuzulassen und zu besprechen.

Es ist ebenfalls demokratisch, die Regierung zu kritisieren und so als Korrektiv im politischen Prozess zu wirken. Beides sollte von Medienschaffenden gefördert werden. Wenn eine Zeitung, eine Sendung, ein Film oder andere Medienformate dahin tendieren, sich reibungslos dem allgemeinen Diskurs unterzuordnen und existierende Widersprüche auszublenden, so machen sie sich überflüssig. Alle Projekte, die wir bislang umgesetzt haben, haben sich deshalb dem Anspruch verschrieben, einen Raum für neue Perspektiven zu schaffen.

Beispielsweise portraitiert unser diesjähriger Berlinale-Beitrag A pas aveugles Gefangene, die in der NS-Zeit den Mut aufgebracht hatten, unter Lebensgefahr, Fotos in Konzentrationslagern und Arbeitslagern aufzunehmen. Der Film vermittelt die Botschaft, dass Opfer des Nazi-Regimes durchaus auch Helden sein konnten. Der Kultfilm Pianomania, der in ca. 100 Ländern erfolgreich in den Kinos und im Fernsehen lief, schildert die musikalische Kreation aus der Perspektive eines Klavierstimmers. Der Film Fuck Fame handelt von den Ausstiegsversuchen einer erfolgreichen Rapperin aus der Musikbranche und stellt somit Deutschland sucht den Superstar förmlich auf den Kopf. Die Wissenschaftsdoku Ekelhaft Gesund wiederum zeigt alternativen Ansätze in der Medizin auf, nämlich wie Maden Wunden reinigen können, usw. usf.

OVALmedia will mit all diesen Projekten Brücken zwischen vollkommen unterschiedlichen Menschen bauen. Seit 22 Jahren stehen wir gegen Ausgrenzung jeglicher Art. Wir sind gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und stehen für den respektvollen Umgang zwischen Menschen ein.

Wir glauben an Meinungsfreiheit. Uns käme es nie in den Sinn, anderen Medienschaffenden ihren Lebensunterhalt durch Rufschädigung zu zerstören. Genau dies haben Sie mit Ihrem Artikel über OVALmedia allerdings versucht zu tun. In unserer 22-jährigen Geschichte als Unternehmen sind wir niemals einem so verleumderischen Anschuldigung ausgesetzt gewesen, nur, weil wir den Prinzipien treu geblieben sind, die eigentlich für alle Medienschaffenden gelten sollten. Ob man ernsthaft seinen Prinzipien folgt, merkt man vor allem daran, dass man selbst dann an ihnen festhält, wenn einem der Wind ins Gesicht bläst. Wir werden jetzt erst recht Menschen die Informationen zukommen lassen, die sie für ihre demokratische Meinungsbildung benötigen.

Ich stehe zu den Worten des Kollegen Hanns Joachim Friedrichs: “Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.”

Mit bestem Gruß,

Robert Cibis

PS: Am Dientstag, den 23. März, veröffentlicht OVALmedia “CORONA.FILM -Prologue”, ein 75min. Dokumentarfilm zur Krise:
http://corfilm.com/danke (1€ mit 48 Stunden Zugang)
http://corfilm.com/vielendank (7€ mit 1 Woche Zugang)
http://corfilm.com/dubistgrossartig (25€ mit unbegrenztem Zugang)