NARRATIVE #67 by Robert Cibis | Laura Moustacakis

Grüne Zuflucht

Wie können wir in einer Gesellschaft leben, deren Werte nicht mehr den unseren entsprechen? Ist Isolation die einzige Lösung, um das Leben zu führen, das man Post-2020 führen möchte? Laura Moustacakis ist nicht dieser Meinung. Dennoch haben sie und ihre Familie die schwierige Entscheidung getroffen, ihr gesamtes Leben umzukrempeln und anderswo Zuflucht zu finden: auf der Suche nach einer lebenswerten Zukunft.

Mehr über Laura: https://colchik.com/

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Und Sie? Leben Sie Ikea-frei? Modedesignerin Laura Moustacakis nicht
ganz. Und wahrscheinlich werden viele von uns die eine oder andere
schwedische Fast-Furniture-Sünde zu Hause stehen, hängen oder
liegen haben. So ein Ikea-Index sagt schon einiges über unsere
schnelllebige, schablonenhafte Gesellschaft aus. Designerin Laura
Moustacakis macht sich diese Entwicklung bewusst und sucht den
Gegentrend in Slow Fashion, dem langsameren Leben und seit
neuestem auch in der räumlichen Isolation, weit weg von dem engen
Regelkorsett in ihrer alten Heimat Potsdam.
Mit ihrer Familie hat sie Deutschland verlassen und ihr Leben in einem
einsamen Haus in Südeuropa ganz neu begonnen. Vorerst. Denn
Zweifel an dem Individualisten-Konzept sind in diesem Gespräch
wirklich nicht zu überhören. Laura Moustacakis ist aktuell noch
zufrieden mit der Entschleunigung, die ihr das Landleben fernab der
deutschen Alltagsgängeleien bietet. Doch ebenso weiß sie, dass solch
ein Schritt keine Wunderlösung für die Menschheit werden kann: Wenn
jeder versucht, sich irgendwo in der Einöde zu isolieren, kommt
niemand voran. Vielmehr geht es darum, sich zu vernetzen, kreativ zu
sein, Potenziale auszuschöpfen, um gemeinsam etwas Neues
aufzubauen. Doch, so Laura, sind die Menschen in der aktuellen Krise
noch viel zu sehr in einer Schockstarre gefangen. Kein Geschichtsbuch
aus der Schulzeit bereitet schließlich auf die Zustände vor, mit denen
die Menschen – egal auf welcher Seite sie momentan zu stehen
glauben – aktuell zu kämpfen haben.
Laura Moustacakis sieht eine große Bedrohung gerade darin, dass
mehr und mehr Künstliche Intelligenz in die verschiedenen
Alltagsbereiche eingepasst wird. So abhängig, wie die Menschen von
ihren Smartphones und Tablets geworden sind, haben die Dr.
Frankensteins in den Programmier-Fabriken der Tech-Giganten sie
schlichtweg in der Hand. Ein Leben ohne Handy? Das scheint in der
Nachweis-Gesellschaft, die sich im Zuge der Corona-Krise fast

ungesühnt zu etablieren versucht, nahezu unmöglich zu sein. Doch das
Digitale darf die Menschen nicht versklaven. Ideen, mit denen es trotz
allem möglich sein könnte, dem KI-Monster noch zu entkommen,
besprechen Laura Moustacakis und Robert Cibis in dieser Folge von
„Narrative“.
5:06 Slow Fashion
6:26 Mode - heute mehr Abwechslung?
7:43 Welches Gesellschaftsbild kann man mit Slow Fashion
verbinden?
10:27 Warum ist Laura Moustacakis aus Potsdam nach Südeuropa aufs
Land gezogen?
12:35 Sind alle Aspekte der Digitalisierung freiheitseinschränkend?
13:36 Was ist der Unterschied im neuen Leben für die Kinder?
18:39 Leben in der Provinz und die Digitalisierung
20:10 Was ist die Frage, die Laura Moustacakis lösen will?
25:33 Was würde sie den Menschen raten, die die Ängste mit ihr
teilen?
31:09 Entschleunigungs-Tipps?

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