NARRATIVE #66 by Robert Cibis | Johann Gaiswinkler

Staatsdiener in Bedrängnis

Robert Cibis trifft in Wien auf den in Österreich der Öffentlichkeit bekannten Johann Gaiswinkler, der sich um die Verengung und die Radikalisierung des öffentlichen Diskurses sorgte, um daraufhin selbst medial, beruflich und privat in Bedrängnis zu geraten.

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Johann Gaiswinkler hat Angst. Und wenn der ehemalige Kommandant
der Gebirgsbrigade des österreichischen Bundesheeres Angst hat,
hätten die meisten Menschen das schon lange. Er hat Angst vor dem
ersten Schuss, möglicherweise vor einem Bürgerkrieg, den die
aufgeheizte Stimmung in der Corona-Krise auslösen könnte. Das klingt
extrem? Johann Gaiswinkler ist einfach wachsam.
Ein Bürgerkrieg, so Gaiswinkler, sei das Schlimmste, was er sich
momentan vorstellen könne. Er beobachtet, wie sich Menschen
sprachlich radikalisieren, emotional aufrüsten: Wir gegen die, Front A
gegen Front B, die Guten, die Bösen... Erst kommt die Sprache, dann
das Handeln. Laut Johann Gaiswinkler besteht das große Unrecht von
Politik und Medien darin, diese Spaltung voranzutreiben, statt Ruhe in
die Gesellschaft zu bringen.
Anfang des Jahres äußerte er seine Befürchtungen hinsichtlich der
aktuellen Situation in einem Interview bei YouTube (2:51). Er
provozierte mit seiner Meinung und trug obendrein auch noch das
falsche T-Shirt. Daraufhin machten Medien und Mitmenschen aus dem
einst so ehrbaren Bürger im Dienste des Staates einen radikalen
Neonazi. Von einem Tag auf den anderen. Über die Folgen dieser
Kampagne für seine Familie und ihn berichtet er ausführlich in diesem
Gespräch (4:11). Gaiswinkler, der als Militär- und Zivilbergführer bei
vielen Bergunfällen Extremes erlebt hat, sagt mehrfach, von dem
Ausmaß der Anfeindungen wirklich "geschockt" gewesen zu sein. Wenn
sich Freunde abwenden, Medien lügen, Behörden private Nachrichten
durchstöbern und andere Menschen einem den Tod an den Hals
wünschen: Dann braucht es einen starken Charakter und eine ebenso
starke Überzeugung, um nicht aufzugeben.
Johann Gaiswinkler hat ein Ziel (37:34). Er möchte die Kommunikation
in unserer Gesellschaft wieder normalisieren. Unterschiedliche
Meinungen gibt es schließlich auch zum Corona-Thema genug. Von
vielen hört er Sätze wie: „Ich weiß, dass die Corona-Zahlen nicht
stimmen.“ Aber diese Menschen schweigen trotzdem weiter, um keine
Probleme zu bekommen. Johann Gaiswinkler fragt sich daher, wieso es

vor wenigen Jahren noch problemlos möglich gewesen wäre, zu sagen,
dass man sich von einem Virus nicht gefährdet fühlt. Und warum heute
jemand, der so offen spricht wie er, von den meisten Mitmenschen
mindestens verächtlich angesehen wird.
Mit seinem eigenen Beispiel möchte er deshalb zeigen, dass kritisches
Hinterfragen notwendig und nichts Verwerfliches ist. Es muss gelingen,
friedlich aus der aktuellen Krise herauszukommen, gerade um den
jungen Generationen eine lebenswerte Zukunft zu bieten.

1:15 Vorstellung
2:51 Auszug aus dem Interview, dass die Provokation ausgelöst hat.
4:11 Ereignisse nach dem Interview
7:26 Was sagt man Freunden, die eine als Neonazi bezeichnen?
16:48 Ausgrenzen und Verurteilen: ein Zeichen von Schwäche?
19:30 Kann Skepsis etwas bewegen?
20:15 Funktion des Militärs derzeit und Erfahrungen als Kommandant
25:05 Innere Bereitschaft der Soldaten zu sterben oder zu töten
26:34 Persönlicher Konflikt als jemand vom Militär
29:14 Kann man innerhalb des Militärs mit Kollegen offen über die
derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklungen reden?
31:28 Wer würde als erstes auf wen schießen?
35:36 Haben Sie das Gefühl, sich mit Ihrem Handeln selbst isoliert zu
haben und in eine Depression zu bringen?
37:34 Wogegen kämpfen Sie im Augenblick?
37:48 Zensur
40:45 Methoden zur Deeskalation im Militär
42:28 Mögliches politisches Ziel hinter allem
49:02 Was würden Sie anderen Soldaten raten, die das denken, was
Sie ausgesprochen haben?
50:54 Was haben Sie aus der Situation gewonnen?
53:38 Worst-Case-Szenario
56:50 Gibt es Menschen, die den Zusammenbruch der Demokratie
wünschen?
1:00:32 Best-Case-Szenario

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