NARRATIVE #68 by Robert Cibis | Dr. Claudia Simone Dorchain REVISED

Das Credo der Programmierer

Zwischen Mittelalter und Moderne geschah etwas Bahnbrechendes in Europa: die Menschheit brach sich vom übermächtigen (christlichen) Gottesbild los, wie der Philosoph Hans Blumenberg in seinem Werk "Die Legitimität der Neuzeit" urteilte. Wir brauchen heute etwas ähnlich Bahnbrechendes, behauptet die Philosophin Claudia Simone Dorchain: die Emanzipation vom vorgeblich allmächtigen Menschen, der unendlich weit optimiert, perfektioniert und manipuliert wird. Die Schattenseiten dieses "perfekten" Menschen bestehen in Unfreiheit, Ausbeutung, Entwürdigung, kurz: einem Gegenprogramm zur Aufklärung und zum Humanismus. Ein Gespräch über Chancen und Grenzen der gesellschaftlichen Selbstoptimierung und die Konditionierung der Programmierer, für welche schon seit Jahrhunderten die Zwecke die Mittel heiligen und Trauma ein Geschäftsmodell darstellt.

----------

Das Buch "Die Gewalt des Heiligen" von Claudia Simone Dorchain ist hier erhältlich:
https://www.oval.media/product/die-gewalt-des-heiligen/

----------

Bitte spendet! Wir brauchen Eure Unterstützung, um weiter zu machen:

https://www.oval.media/donations/donation-form/
-----------
Diese Folge von Narrative ist wirklich unbehaglich. Sie bietet Anlass, stärker darüber
nachzudenken, welchen Lehrmeistern wir Glauben schenken, wenn wir nicht mit Dauer-
Stockholm-Syndrom enden wollen. Die Philosophin Dr. Claudia Simone Dorchain erklärt
zunächst die drei Formen von Gewalt und inwieweit sich Ansätze davon auch in der derzeitigen
Krise präsentieren. Weiterhin geht es um Personenmarken, Schuld- und Selbstoptimierungskult,
interessante Antagonisten wie Wahrheit und Schauspielerei, Gemeinschaft und Ausschluss
sowie Philosophen-Ehre und Faschismus.
Dr. Claudia Simone Dorchain sagt, die Philosophen haben die Verantwortung, den Faschismus
zu verstehen, da dieser jederzeit wieder aufbrechen kann. Sie müssen ihn demaskieren und
darüber berichten, welche gefährlichen Mechanismen wirken können. Doch das Problem
beginnt bereits an diesem Punkt, und zwar mit Unaufrichtigkeit: Da die Philosophen, die
ausgewählt und für den öffentlichen Kommunikationsraum aufgebaut werden, reine
Pappaufsteller sind. Es gehört in der heutigen Zeit wohl nicht das größte Wissen oder Talent
dazu, solch ein auserwählter Intellektueller zu sein. Im Fernsehen, Radio und Feuilleton kann
derjenige den vermeintlich Schlausten mimen, der für diesen Zweck einfach installiert worden
ist. Wichtig sind Personenkult und charismatisches Auftreten, um dem Bürger die Welt so zu
zeigen, wie er sie sehen soll. Wer genauer hinschaut, kann diese Inszenierung selbst enttarnen.
Doch wer schaut schon so genau hin?
Schön wäre es ja, wenn die Menschen wieder ganz im Sinne der Aufklärung damit beginnen
würden, Dinge zu tun, die ihnen besonders schwerfallen: Die Welt und auch sich selbst mehr zu
hinterfragen. Sie könnten dabei zum Beispiel ein paar Vorurteile ziehen lassen, die sie bisher so
schön durch das Leben begleiten durften. Es ist wahrlich nicht einfach, zuzugeben, sich
jahrelang geirrt zu haben. Doch mit der Selbstreflexion startet die einzige wirkungsvolle Kur –
gerade in Krisenzeiten, um zunächst die eigene Bequemlichkeit zu überwinden.
Es geht dabei auch darum, sich irren zu dürfen. Und das auch zuzugeben. Vorschriften zu
hinterfragen. Übercharismatischen Führern sollten die Menschen immer ganz genau auf die
Finger schauen. Vielleicht bedingt weniger blindes Vertrauen in die Botschaft des anderen mehr
Motivation zur Eigenrecherche. Das wäre praktisch, kann doch nur derjenige, der hinterfragt, die
unheimliche Umklammerung erkennen, mit der das Totalitäre seine Geiseln hält. Das Projekt
der Aufklärung ist das Projekt jeder Generation, sagt Dr. Claudia Simone Dorchain. Und das
bedeutet, jede Generation muss sich die Selbstbestimmung wieder aneignen. Leider sitzen wir
da momentan wohl noch ganz schön in der Patsche.
4:18 Was haben das Heilige und die Gewalt mit heute zu tun?
9:45 Wie zeigt sich die Gewalt heute?
26:23 Was ist die Rechtfertigung für die Gewalt im Dritten Reich?
28:20 Philosophen und Faschismus
30:18 Gibt es hier heute totalitäre Strukturen?
38:58 Fernseh-Philosophen, Überheblichkeiten und charismatischer Personenkult
52:14 Ökonomisierung der öffentlichen Rechtfertigung
1:03:26 Selbstoptimierung im größeren Zusammenhang
1:14:30 Schwarze Pädagogik
1:18:46 Was ist die Wahrheit im Handeln, was ist die Wahrheit im Sprechen?
1:20:50 Das Heilige
1:22:05 Was unterscheidet Mittelalter und Moderne?
1:27:22 Ist Individualität in unserer Gesellschaft wirklich lebbar?
1:33:30 Diktatur und totalitäre Strukturen
1:42:11 „Der Club der toten Dichter“
1:48:06 Wie kommen wir da raus, wenn wir frei leben wollen?
1:52:41 Wie gehen Sie vor, wenn Sie rauskriegen möchten, ob Sie einer Nachricht vertrauen
können?
1:57:19 Ist die Programmierung selbstlernend?
1:59:20 Personenbegriff im freiheitlich demokratischen Rechtsstaat
2:00:43 Ist der Körper mein Eigentum?
2:01:56 Gab es historische Zeiten, in der die Menschen mal klüger oder mal weniger klug
waren?
2:04:55 Wird jemand die Führung hin zur Besserung übernehmen?
2:08:05 Zu welcher Kategorie gehören strukturelle Gewalt und psychische Gewalt?
#ClaudiaSimoneDorchain
#Dorchain
#Heiliges
#Gewalt
#Gewaltarten
#MaxWeber
#Machiavelli
#SigmundFreud
#Aufklärung
#Unterbewusstes
#Vernunft
#Philosophie
#Philosophen
#FernsehPhilosophen
#Faschismus
#Totalitarismus
#Diktatur
#StockholmSyndrom
#Demokratie
#Rechtsstaat
#Humanismus
#Menschlichkeit
#SchwarzePädagogik
#WeißePädagogik
#Mittelalter
#Moderne
#Personenkult
#Schuldkult
#Selbstoptimierung
#Selbstoptimierungskult
#Glaube
#Wahrheit
#Personenmarken